Ein Comic-Stück: Was passiert, wenn KI auf einen Oberwalliser Alphirten trifft.
(Ein kurzes Bild-Text-Stück)
Bild 1 — Ein Berghang im Wallis. Sommersonne. Ein alter Alphirt sitzt auf einem Stein, isst Brot mit Käse. Neben ihm: ein Tablet, das sein Enkel vergessen hat. Auf dem Bildschirm leuchtet ein Chatfenster.
Chatfenster: «Hallo! Ich bin eine KI. Wie kann ich dir helfen?» Alphirt (kaut langsam): «Hilf mir, dass d’Chüe hüt Nacht nöd abschwirru.»
Bild 2 — Das Chatfenster tippt.
KI: «Ich empfehle: GPS-Tracker, Geofencing, eine App, die bei Bewegungsabweichungen Alarm schlägt—» Alphirt: «Ich han kei Strom.» KI: «Oh.»
Bild 3 — Stille. Der Alphirt isst weiter. Die KI tippt.
KI: «Dann… Solarpanel?» Alphirt: «Zu schwer zum Trage.» KI: «Windturbine?» Alphirt: «Z’lut. D’Chüe wördu nervös.» KI: «…»
Bild 4 — Der Alphirt schaut jetzt doch aufs Tablet.
Alphirt: «Was weisch du eigentlich vo Küe?» KI: «Ich hab 847 wissenschaftliche Artikel über Rinderverhalten gelesen.» Alphirt: «Ich han 40 Jahr mit ihnen gläbt.» (Pause) KI: «Das klingt… besser.»
Bild 5 — Abend. Der Alphirt hat das Tablet zugeklappt. Die Kühe stehen ruhig im Stall. Er lehnt am Türstock, schaut ins Tal.
Alphirt (für sich): «Nöd dumm, das Ding. Aber es weiss nöd, wie’s Gras riecht wenn’s Wätter umschlägt.»
Bild 6 — Irgendwo in einem Rechenzentrum. Zeilen von Code. Eine einzelne Zeile blinkt:
// TODO: Wie riecht Gras vor einem Wetterumschlag?
Nachwort: KI kann viel. Sie kann Texte schreiben, Daten auswerten, Muster erkennen. Was sie nicht kann: in einem Körper sein. Einen Hang kennen. Ein Tier spüren. Das ist kein Nachteil der KI. Es ist ein Vorteil des Menschen — solange er es nicht vergisst.
Bernhard Kuonen