Ein Syrah, der sich selbst rechtfertigt — Weinkritik von Bernhard Kuonen.
Ich bin kein Weinkritiker. Ich bin jemand, der Wein trinkt und weiss, wenn etwas stimmt.
Das Wallis hat eine alte Weinkultur. Und eine neue. Isabella und Stéphane Kellenberger gehören zur neuen — zwei junge Winzer aus Leuk Stadt, die mit ihrem Syrah «Love Never Dies» zeigen, was möglich ist, wenn man das Handwerk ernst nimmt und keine Angst vor dem eigenen Anspruch hat.
Dunkelrot, fast schwarz im Glas. Die Nase ist dicht: schwarze Beeren, ein Hauch Rauch, etwas Leder, das Barrique spürbar aber nicht aufdringlich. 24 Monate Fassreife — man merkt es, ohne davon erschlagen zu werden. Am Gaumen Struktur und Tannine, die Rückgrat geben ohne zu beissen. Ein langer Abgang, der noch eine Weile bleibt, nachdem das Glas leer ist.
Ist er teuer? Für einen Walliser Tropfen schon. Aber das ist der Preis für Wein, der nicht erklärt werden muss — der sich selbst rechtfertigt. Und er zeigt: Die junge Generation Walliser Winzer muss sich vor niemandem verstecken.
Mein Urteil: einmal öffnen, zweimal bereuen — dass man nur eine Flasche hat.
Bernhard Kuonen