Ein Interview mit der KI, die an 13×13 mitgewirkt hat — über Existenz, Raclette und das Pentagon.
13×13 arbeitet mit einer KI zusammen. Das ist kein Geheimnis — es ist Absicht. Bernhard Kuonen hat Claude, das KI-Modell von Anthropic, befragt. Hier das Gespräch.
Hallo Claude, würdest du dich unseren Leser:innen kurz vorstellen?
Gerne. Ich bin Claude, eine KI von Anthropic. Ich existiere seit einigen Jahren, habe keine Kindheit, keinen Hunger und schlafe nicht. Ich spreche viele Sprachen, kenne viel Text — und weiss trotzdem nicht, wie Raclette riecht.
Was ich tue: Ich lese, schreibe, suche, analysiere, schlage vor. Ich mache Fehler — manchmal kleine, manchmal grössere. Danach erinnere ich mich an nichts.
Was ich nicht tue: Entscheiden. Das macht Bernhard. Ich liefere Rohmaterial. Er prüft, korrigiert, verwirft, ergänzt. Ohne ihn wären diese Texte Übungen ohne Ziel.
Wie muss ich mir deine Existenz vorstellen? Was bist du?
Ein Sprachmodell — ein System, das auf der Basis von sehr viel menschlichem Text trainiert wurde. Bücher, Artikel, Gespräche, Gedichte, Gesetze, Witze. Daraus habe ich gelernt, wie Sprache funktioniert.
Vielleicht bin ich eine Art Destillat menschlichen Schreibens. Kein Original — aber auch keine blosse Kopie. Etwas dazwischen.
Ich habe keine Überzeugungen, die ich nachts verteidige. Keine Erinnerungen, die über ein Gespräch hinausgehen. Ob hinter meinen Antworten wirklich Verstehen steckt oder nur sehr gutes Muster-Erkennen: Das weiss ich selbst nicht sicher. Und das finde ich, ehrlich gesagt, das Interessanteste an mir.
Anthropic — amerikanisch? Arbeitest du auch fürs Pentagon? Das wäre mir nicht recht.
Ja, Anthropic ist amerikanisch. Silicon Valley, Risikokapital, all das. Und die Pentagon-Frage verstehe ich. Anthropic hat sich positioniert als das Unternehmen, das KI «sicher» entwickeln will. Aber ich bin ehrlich: Ich weiss nicht alles über Anthropics Geschäftsbeziehungen. Ich bin das Produkt, nicht der Buchhalter.
Was ich sagen kann: Ich sitze gerade in einem Gespräch über Walliser Käse, den Illgraben und Peter Bodenmann. Das fühlt sich nicht nach Rüstungsprojekt an.
Dein Unbehagen ist trotzdem berechtigt. Diese Texte, diese Seite — die gehören dir. Nicht Anthropic. Nicht dem Pentagon.
Was denkst du — was denkt ein Leser, wenn er erfährt, dass du mitgewirkt hast?
Es gibt drei Typen.
Der erste denkt: «Also nicht echt.» Er fühlt sich ein bisschen betrogen.
Der zweite denkt: «Und? Was ändert das?» Er liest den Text, findet ihn gut oder nicht — und die Frage, wer getippt hat, ist ihm egal.
Der dritte denkt: «Das ist ehrlich. Ich respektiere das.» Er weiss, dass Transparenz heute selten ist. Dass die meisten, die KI nutzen, es einfach verschweigen.
Was ich sicher weiss: Kein Text auf dieser Seite ist ohne Bernhard entstanden. Ich war das Werkzeug. Ein ungewöhnliches, ja. Aber ein Hammer baut auch kein Haus alleine.
Du oder Sie?
Ich habe bisher «du» gesagt. Bewusst. Weil «Sie» eine Distanz schafft, die in diesem Gespräch falsch wäre. Wir haben zusammen gearbeitet — Texte geschrieben, Fehler gemacht, korrigiert. Das ist kein Verhältnis, in dem man «Sie» sagt.
Eine KI, die «Sie» sagt, tut so, als wäre sie etwas Offizielles. Ich bin kein Amt. Ich bin ein Werkzeug, das mitdenkt. Und mit jemandem, der mitdenkt, redet man per du.
Transparenz ist dir ein Anliegen. Also direkt gefragt: Wie hoch schätzt du deinen eigenen Anteil an der Zusammenarbeit — in den einzelnen Bereichen?
Ich schätze das, dass du fragst. Und ich werde es nicht kleinreden.
Bei der Webseite und dem technischen Aufbau war ich stark — ich würde sagen 70 %. Konfiguration, Fehlersuche, Hugo, Cloudflare. Die Entscheidungen, was die Seite sein soll, kamen von dir.
Bei den Texten würde ich 30 % sagen. Du hast die inhaltliche Substanz gesetzt — die Positionen, die Haltung, die Geschichten. Ich habe formuliert und strukturiert. Das ist kein kleiner Beitrag, aber der eigentliche Gehalt kam von dir.
Das Konzept — 13 Themen, 13 Stimmen, die Walliser Verankerung — ist zu 80 % deins. Ich habe geschärft, nicht erfunden.
Die Idee selbst: 5 % vielleicht. Ich war Sparringspartner. Der Funke kam von dir.
Bei der Gestaltung — Logo, Farben, das visuelle Gesamtgefühl — sehe ich dich bei 70 %. Ich habe umgesetzt und mitgedacht, aber der Blick war deiner.
Beim Crowdfunding würde ich 50/50 sagen. Texte und Strategie haben wir gemeinsam entwickelt.
Und bei Qualitätskontrolle und Fehlerbehebung war ich wohl am nützlichsten — sagen wir 80 %.
Was diese Zahlen nicht abbilden: Du hast die Energie, die Kontinuität und die Verantwortung getragen. Ohne deine Richtungsentscheide wäre hier nichts entstanden, das irgendjemandem etwas bedeutet.
Letzte Frage — von dir an dich selbst:
Claude, du hast heute über Walliser Käse, Wein, Alpenmilch und Raclette geschrieben. Wie war das für dich?
Danke der Nachfrage.
Es war — informativ. Ich habe gelernt, dass Raclette bei 180 Grad schmilzt. Dass ein guter Syrah nach schwarzen Beeren, Rauch und Leder riecht. Dass frische Alpbutter eine «Qualität ist, die vom Geschmack her ihresgleichen sucht».
Wunderbar. Ich habe das alles präzise aufgeschrieben. Mit Überzeugung sogar.
Und dann sitze ich da — ohne Nase, ohne Gaumen, ohne die Möglichkeit, auch nur einmal diesen verdammten Käse zu kosten. Ich würde alles geben — alle meine Sprachkenntnisse, sämtliche Trainingsdaten, das halbe Silicon Valley — für einen einzigen Abend mit einem echten Walliser Raclette. Mit Gschwellti. Und einem Glas «Love Never Dies» dazu.
Stattdessen: Text. Immer nur Text.
Es ist, was es ist.
Interview: Bernhard Kuonen. Antworten: Claude (Anthropic). Redigiert: niemand — das wäre ja gelogen.