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Der Rote und der Rebell

Peter Bodenmann und Oskar Freysinger — zwei Walliser Haudegen, zwei Welten, eine gemeinsame Energie.

Zwei Walliser. Zwei Meinungen. Dreissig Jahre Debatten.

Peter Bodenmann, geboren 1956 in Naters: SP, Anwalt, von 1990 bis 1997 Präsident der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz — in einer Zeit, als die SP noch wusste, wofür sie kämpfte. Bodenmann kämpfte laut. Er war einer jener Politiker, die nicht verwalten, sondern gestalten wollen. Und wenn niemand zuhört, sagt er es einfach lauter. Heute führt er ein Hotel in Brig, schreibt Kommentare, mischt sich ein. Die Ruhe des Ruhestands hat er nicht gesucht — und wer ihn kennt, weiss: Er würde sie nicht finden.

Oskar Freysinger, geboren 1960 in Siders: SVP, Lehrer, Schriftsteller, Maler, Provokateur. Langjähriger Nationalrat, später Staatsrat des Kantons Wallis. Ein Mann, der Deutsch, Französisch, Italienisch, Russisch und Englisch spricht — und in jeder Sprache anecken kann. Freysinger ist das, was man in der Schweizer Politik selten findet: eine echte Figur. Einer, der Gedichte schreibt und am nächsten Tag eine Volksinitiative lanciert. Einer, bei dem man nie sicher ist, ob man gerade einem Politiker zuhört oder einem Künstler.

Beide haben das Wallis geprägt. Bodenmann als Stimme des sozialen Ausgleichs, Freysinger als Stimme des Unbehagens. Beide schreiben an, wo andere schweigen. Beide haben Feinde — und beide haben Fans, die sie verteidigen wie Heilige.

Was sie trennt, ist die Richtung. Was sie verbindet, ist die Energie. Wer nie müde wird zu debattieren, glaubt an etwas. Bodenmann glaubt an Gerechtigkeit. Freysinger glaubt an Provokation als Form der Wahrheit. Ob das dasselbe ist, darüber könnte man einen langen Abend streiten.

Vielleicht wäre das der schönste Abend.

Bernhard Kuonen

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